Kündigung in der Ausbildung

Die Kündigung während deiner Ausbildung ist in § 22 Berufsbildungsgesetz geregelt. Die Gründe für eine Kündigung sind meist ganz individuell: Vielleicht stellen du und dein Ausbildungsbetrieb bereits in der Probezeit fest, dass ihr einfach nicht zusammen passt. Oder du entscheidest dich, deine Berufsausbildung abzubrechen, um ein Studium aufzunehmen. Oder einer von euch (dein Ausbildungsbetrieb oder du) hat eine schwere Pflichtverletzung begangen, sodass eine Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses unzumutbar wäre. In allen diesen Fällen können dein Ausbildungsbetrieb oder du das Ausbildungsverhältnis kündigen. Bei der Kündigung in der Ausbildung unterscheidet man:

Egal, ob dir gekündigt wurde oder ob du selbst kündigen möchtest: Bei minderjährigen Auszubildenden haben die Erziehungsberechtigten ein Mitsprache- und Informationsrecht. Das heißt: Wenn du kündigen möchtest, brauchst du vorher das Einverständnis deiner Eltern. Anders herum muss eine Kündigungserklärung seitens deines Ausbildungsbetriebes aus Rechtsgründen ebenfalls zunächst an deine Eltern gehen. Auch ein Aufhebungsvertrag muss von deinen Eltern unterschrieben werden.


Kündigung in der Probezeit

Die Probezeit dient dazu, deinen Beruf und den Betrieb kennenzulernen. Gleichzeitig kann dein Ausbildungsbetrieb überprüfen, ob du das Potenzial für eine erfolgreiche Ausbildung hast und ob du dich gut in den Betrieb einfügst. Während der Probezeit kann das Arbeitsverhältnis von beiden Seiten zu jeder Zeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist beendet werden. Wichtig ist nur, dass dies schriftlich erfolgen muss. Dies bedeutet, dass du bereits ab dem nächsten Werktag - also ohne eine Frist - nicht mehr zur Arbeit erscheinen brauchst.

Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Schwangeren, Personen mit einer Schwerbehinderung und Angehörige der Jugend- und Auszubildendenvertretung können nur schwer gekündigt werden.


Ordentliche Kündigung

Nach der Probezeit kannst du mit einer Frist von 4 Wochen dein Ausbildungsverhältnis beenden. Deine Kündigung muss schriftlich und unter Angaben von Gründen erfolgen. Diese Gründe können sein:

Als Auszubildender bist du gesetzlich besser geschützt als ein normaler Arbeitnehmer. Das bedeutet im Klartext: Nach Beendigung deiner Probezeit kann dir dein Ausbildungsbetrieb nicht ordentlich kündigen!


Fristlose Kündigung

Wie der Name schon sagt, gibt es bei einer fristlosen Kündigung keine Frist, die eingehalten werden muss. Das heißt, dass du von jetzt auf gleich nicht mehr zur Arbeit gehen musst bzw. sofort nach Hause gehen kannst. Eine fristlose Kündigung kann von beiden Seiten, also von dir oder deinem Ausbildungsbetrieb, ausgesprochen werden. Für eine fristlose Kündigung muss ein wichtiger Grund vorliegen.

Man unterscheidet folgende Kündigungsgründe:


Verhaltensbedingte Kündigung

Verhaltensbedingte Kündigungsgründe sind Pflichtverletzungen deinerseits wie beispielsweise:

In den meisten Fällen wirst du nicht sofort fristlos gekündigt, sondern zunächst abgemahnt. Abmahnungen müssen ein paar formale Kriterien erfüllen: Die Pflichtverletzung, die dir dein Arbeitgeber vorwirft, muss genau beschrieben sein. Weiterhin muss in der Abmahnung stehen, dass dir bei weiterem Fehlverhalten die Kündigung droht. Und natürlich muss die Abmahnung zeitnah nach der Pflichtverletzung ausgesprochen werden. Wenn du eine Abmahnung bekommst, solltest du diese sehr ernst nehmen und schleunigst an deinem Verhalten arbeiten! Nach zwei Abmahnungen bekommst du bei einem weiteren Verstoß nämlich eine Kündigung. Die gute Nachricht: Je nach Schwere und Inhalt der Pflichtverletzung, die du begangen hast, verjähren Abmahnungen nach ein bis zwei Jahren nach ihrer Aussprechung und dürfen auch nicht in deinem Arbeitszeugnis erwähnt werden.

Umgekehrt kann auch dein Ausbildungsbetrieb seine Pflichten verletzen und dir Anlass zu einer fristlosen Kündigung geben. Pflichtverletzungen deines Ausbildungsbetriebes sind beispielsweise:

Wie bei der Abmahnung solltest auch du zunächst deinen Ausbildungsbetrieb schriftlich auf seine Pflichtverletzung hinweisen und ihn auffordern, sein Verhalten zu ändern. Das musst du innerhalb von 2 Wochen nach der Pflichtverletzung tun. Erst, wenn dein Ausbildungsbetrieb dieser Aufforderung nicht nachkommt, kannst du deine Kündigung einreichen.


Personenbezogene Kündigung

Personenbedingte Kündigungsgründe sind meist ganz individuell und liegen – wie der Name schon sagt – in deiner Person. Das können zum Beispiel Gesundheitsprobleme sein, aufgrund derer du nicht mehr für die Berufsausbildung geeignet bist. Wenn du beispielsweise eine Allergie auf Mehlstaub oder Holzstaub entwickelst, kannst du nicht mehr als Bäcker oder Tischler arbeiten.


Betriebsbedingte Kündigung

Ein betriebsbedingter Kündigungsgrund liegt vor, wenn der Ausbildungsbetrieb insgesamt oder deine Ausbildungsabteilung stillgelegt werden, so dass keine Ausbildung mehr stattfinden kann. Wirtschaftliche Probleme oder die Anmeldung einer Insolvenz allein sind noch keine Kündigungsgründe und dein Ausbildungsverhältnis bleibt während des gesamten Insolvenzverfahrens bestehen. Bei Stilllegung ist dein Ausbildungsbetrieb dazu verpflichtet, sich um deine weitere Ausbildung zu kümmern und mit Hilfe der Agentur für Arbeit eine andere Ausbildungsstätte für dich zu finden.

Für den Fall, dass du eine betriebsbedingte Kündigung bekommst, muss als Grund im Kündigungsschreiben die Insolvenz/beabsichtigte Stilllegung des Betriebes angegeben werden. Diese Schritte musst du unternehmen:

Tipp 1: Wenn du bereits im letzten Lehrjahr bist, kannst deine Ausbildung ggf. verkürzen und die Prüfung vorziehen. Oder du bewirbst dich auf eine Stelle für Ausgelernte und bietest die letzten 6 Monate deiner Ausbildung als Einarbeitungszeit an.

Tipp 2: Für einen Ausbildungsbetrieb kann es durchaus interessant sein, fortgeschrittene Auszubildende aus einem insolventen Betrieb zu übernehmen, denn sie können dafür Fördermittel bekommen.


Aufhebungsvertrag

Wenn du die Probezeit bereits hinter dir hast und keine schwerwiegenden Gründe für eine fristlose Kündigung vorliegen, kann dir dein Ausbildungsbetrieb eigentlich nicht kündigen. Wenn er dich aber unbedingt loswerden will, kann er dir einen Aufhebungsvertrag oder Auflösungsvertrag anbieten. Anders als bei einer Kündigung (eine Kündigung ist immer eine einseitige Vertragsbeendigung) wird bei so einem Vertrag das Ausbildungsverhältnis im gegenseitigen Einverständnis gelöst. Es gibt keine Fristen, die eingehalten werden müssen.

Die Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrages solltest du dir gut überlegen! Ein Aufhebungsvertrag bedeutet nämlich, dass du das Arbeitsverhältnis freiwillig beendet hast. In der Regel verhängt die Agentur für Arbeit dann eine Sperrzeit, sodass du die ersten zwölf Wochen nach dem Aufhebungsvertrag kein Arbeitslosengeld bekommst. Tipp: Lass dich nicht unter Druck setzen! Unterschreibe niemals sofort nach Erhalt, sondern lies dir den Vertrag zu Hause in Ruhe durch und lass dich bei Bedarf rechtlich beraten!


Weitere wichtige Vertragsinhalte deines Ausbildungsvertrages


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