AUBI-plus GmbH Donnerstag, 12. April 2018 3 Minuten Lesezeit

Die rechte Hand des Arztes: Als Medizinische Fachangestellte arbeiten

Susi arbeitet als Medizinische Fachangestellte in einer Arztpraxis für Allgemeinmedizin. Früher hieß der Beruf Arzthelferin. Im Volksmund wird diese Bezeichnung heute immer noch verwendet. In diesem Interview erzählt sie, wie ihr Arbeitsalltag aussieht, warum sie sich für diesen Beruf entschieden hat und was ihr besonders gut daran gefällt.

Arzt und Medizinische Fachangestellte
Arzt und Medizinische Fachangestellte© Alexas_Fotos | Pixabay Public Domain

War es schon immer dein Wunsch Medizinische Fachangestellte (MFA) zu werden?

Es sollte etwas mit Kindern sein. Ich hatte zwei Berufe, die mich sehr interessiert haben. Mein Wunsch war es, entweder Erzieherin oder Medizinische Fachangestellte in einer Kinderarztpraxis zu werden. Mit einem Ausbildungsplatz bei einem Kinderarzt hat es dann zwar nicht geklappt, aber ich habe einen Ausbildungsplatz bei einem Orthopäden gefunden. 

Wie war die Ausbildung organisiert?

An zwei Tagen in der Woche habe ich die Berufsschule besucht, an den anderen Tagen war ich in der Arztpraxis tätig und konnte das theoretische Wissen aus der Schule direkt anwenden.  

Die drängendste Frage erstmal vorab: Muss man Blut sehen können?

Ja, das ist auf jeden Fall von Vorteil, weil es zu den Aufgaben einer MFA gehört, den Patienten Blut abzunehmen. 

Was sind weitere typische Tätigkeiten, die deinen Berufsalltag bestimmen?

Meine Tätigkeiten sind sehr vielfältig und abwechslungsreich.  Ich erledige viele Verwaltungsaufgaben. Ich schreibe Arztberichte und leite diese an andere Ärzte oder Krankenhäuser weiter, erstelle die Abrechnungen mit der kassenärztlichen Vereinigung und koordiniere die Patienten-Termine. Neben dem PC ist mein wichtigstes Arbeitsmittel das Telefon.

Dann sind da die Tätigkeiten im Labor. Über das Blut abnehmen haben wir ja schon gesprochen. Die Proben werden versandfertig gemacht und an ein Labor geschickt, wo das Blut analysiert wird. Kleinere Tests, wie z. B. bei Diabetes-Patienten den Blutzuckerspiegel festzustellen, führen wir auch vor Ort durch. Darüber hinaus unterstütze ich meinen Chef bei Untersuchungen. Beispiele für diese fachbezogenen Aufgaben sind das Anlegen von Verbänden oder die Erstellung von Röntgenaufnahmen.

Was gefällt dir besonders gut an deinem Beruf?

Die Dankbarkeit, die mir die Patienten entgegenbringen, ist für mich das Schönste an meinem Beruf.  

Mit welchen Argumenten würdest du junge Menschen davon überzeugen, sich für den Beruf zu entscheiden?

Wer einen Beruf ausüben möchte, bei dem man mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommt, ein abwechslungsreiches Aufgabenspektrum hat und nie voraussehen kann, wie der Arbeitstag verläuft, trifft mit einer Ausbildung zur MFA eine gute Wahl!

Gibt es Rahmenbedingungen, die nicht so vorteilhaft sind, auf die man sich aber einstellen muss?

Ja, die gibt es auch. In der Praxis, in der ich arbeite, haben wir eine relativ lange Mittagspause und dafür Arbeitszeiten bis in den Abend hinein. Ich habe mich aber daran gewöhnt und fahre über Mittag nach Hause, mache Erledigungen oder nutze die Zeit für einen Spaziergang.

Welche persönlichen Voraussetzungen braucht man, um im Beruf erfolgreich zu sein?

Flexibilität, Team- und Kommunikationsfähigkeit sowie strukturiertes Arbeiten sind wichtig, aber vor allem auch Einfühlungsvermögen…und ein gutes Nervenkostüm.

Du sprichst das Nervenkostüm an. Hat es schon einmal eine Situation gegeben, in der du an deine Grenze gekommen bist?

Nein, das nicht. Aber es gibt natürlich Situationen, in denen man unbedingt Ruhe bewahren muss. Bei uns kommt es häufiger vor, dass der Notarzt gerufen werden muss, damit ein Patient auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus kommt. Da braucht es gute Nerven und man muss genau wissen, was zu tun ist. Vom Kreislaufkollaps über Herzinfarkt bis zur Reanimation habe ich in meinem Praxisalltag schon alles erlebt.

Welcher Schulabschluss wird vorausgesetzt und in welchen Schulfächern sollte man gute Noten haben?

Eingangsvoraussetzung ist in der Regel die Fachoberschulreife, also der Realschulabschluss nach Klasse 10. Auf die Noten in den Fächern Deutsch, Mathematik und Biologie wird besonders geschaut. Hier sollten die Noten möglichst nicht schlechter als „gut“ sein.

Was ist dein Rat an diejenigen, die den Beruf ergreifen möchten?

Der Rat lautet: Macht euch immer ein eigenes Bild vom Beruf und absolviert vorher ein Praktikum, idealerweise in Arztpraxen mit unterschiedlichen Fachrichtungen (z. B. Hautarzt, Urologe).

Vielen Dank für das Gespräch!